Ich wurde von meinen Eltern dazu erzogen, ein höflicher Mensch zu sein. Und auch wenn ich ganz ehrlich zugeben muss, dass auch ich manchmal etwas Mühe habe höflich zu sein, oder höflich zu bleiben.

photo credit: Nesta Vazquez
Leider habe ich in letzter Zeit vermehrt das Gefühl, dass Höflichkeit in unserem Land an Wert verloren hat. Das fängt im Zug an, wo man sich einfach hinsetzt anstatt erst zu fragen ob der Platz noch frei ist. Oder das fehlende “Gesundheit!” wenn jemand niesen muss (ja, ich weiss… Niessen ist böse im Schweinegrippezeitalter). Wo es mir aber ganz besonders auffällt in letzter Zeit, ist das Internet. Ich musse es schon selber feststellen, wie weit das teilweise geht, und habe mich hier auch schon mal dazu geäussert.
Ich mag meine Blogleser sehr, einige von Ihnen kenne ich persönlich oder aus dem Internet, andere nicht. Aber fast alle sind nette, anständige Leute. Aber wenn man beginnt, über Themen zu bloggen, welche als “kontrovers” gelten, zieht man ganz automatisch auch die Blogleser an, die man nicht haben möchte. Zu diesen Themen gehören Ausländer/Migration, Tiere/Tierschutz, Religion, Äusserlichkeiten von Menschen, Politik, Wirtschaft und so weiter. Die Auflistung ist alles andere als vollständig.
Beispiele gefällig? Auf einen kritischen Artikel gegenüber der SVP meldete sich in meinem Blog ein (ganz offensichtlich) Linker Kommentator zu Wort, der meinen Blog dazu misbrauchen wollte, seine Hasstiraden gegenüber der SVP und deren Exponenten loszuwerden. Frau Chnübli hat wohl ähnliche Probleme und sah sich gezwungen, einen Artikel zu einem kontroversen Thema mit der Warnung vor rassistischen Kommentaren zu beginnen. In Andreas Hobis Blog trollen nicht linke sondern rechte Kommentatoren in einem Artikel über das fehlverhalten einer arabischen Reisegruppe. Und Mirjam von “chic&schlau” sah sich gar gezwungen einen Artikel aufgrund der heftigen und teilweise sehr niveaulosen Kommentatoren wieder vom Netz zu nehmen.
Man könnte obige Liste mühelos weitermachen. Auch Nachrichtenportale haben ähnliche Probleme, weswegen Tagesanzeiger usw. Kommentare erst nachh redaktioneller Prüfung freischalten. Auch bei einigen Blogs, in denen ich mehr oder weniger regelmässig lese ist dies der Fall. Ich selber setze auf eine Mischform zwischen Moderation und freiem kommentieren, mit der ich bisher sehr gut gefahren bin.
Ich finde es gut, wenn viele verschiedene Leute viele verschiedene Meinungen haben. Bei allen Themen (AKW, Ausländer, Minarette, Naturschutz, Wölfe etc) gibt es Personen die dafür sind, aber auch solche die dagegen sind. Ich finde es auch gut, wenn beide Seiten ihre Meinung sagen, zu Beispiel in Form von Blogkommentaren. Das ist die grundlage unserer Demokratie. Aber in meinen Augen muss dies in einer gesitteten, höflichen Art und Weise von statten gehen.